Hochwasserfrühwarnsystem Sachsen: Entwicklung schreitet voran

Das aktuell am Landeshochwasserzentrum Sachsen (LHWZ) in Entwicklung befindliche Hochwasserfrühwarnsystem (Kurzabriss zum Projekt) ist seit einigen Tagen operationalisiert und liefert erste Ergebnis-Produkte.

Methodisch basiert das Verfahren auf einem Scoring-Modell (ScoHM; Hintergründe hier), welches vor allem beobachtete und vorhergesagte Niederschläge sowie die Vorfeuchtebedingungen klassifiziert und die aktuelle und zukünftige Hochwassergefährdung ableitet.

Technisch ist das Modell im Framework Kalypso integriert, welches das LHWZ auch für die Verwaltung und Bedienung von Modellen zur pegelbezogenen Vorhersage nutzt.

Wizard-Ansicht ScoHM-Modell in Kalypso.

Wizard-Ansicht ScoHM-Modell in Kalypso.

Zukünftig (voraussichtlich in 2017) soll ein Ampelkarten-Produkt zur Frühwarnung (Prognosezeitraum 24 h) via Web (LHWZ-Webseite, eventuell Twitter) bereitgestellt und viermal täglich aktualisiert werden. Damit wird für Sachsen ein Produkt wie in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder Hessen verfügbar sein. So könnte die Hochwasserfrühwarnung für Sachsen dann aussehen (Bilder des operationellen internen Prototyps auf Basis einer Leaflet-Visualisierung):

Leaflet-Karte für interne Frühwarn-Website.

Leaflet-Karte für interne Frühwarn-Website.

Durch die kombinierte Bewertung von Gebietseigenschaften, hydrologischen Vorbedingungen, Niederschlagsdaten sowie meteorologischen Vorhersagen wird also eine Karte der regionalen Hochwassergefährdung in kleinen Einzugsgebieten erstellt. Es handelt sich dabei um keine Vorhersage, sondern eine Abschätzung; möglicherweise im Vorhersagezeitraum auftretende Phänomene werden dargestellt. Die Hochwassergefährdung wird mittels einer vierteiligen Skala von “geringe Gefährdung” bis „hohe Gefährdung“ unterteilt (eventuell zusätzlich “sehr hohe Gefährdung”).

Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass die in der Frühwarnkarte dargestellte prognostizierte Gefährdungslage sich zwar auf kleine Einzugsgebiete bezieht, jedoch regional (für 16 Teilgebiete Sachsens) dargestellt ist. So ist denkbar, dass für das Gebiet “Obere Zwickauer Mulde” die Warnstufe „hoch“ ausgegeben wird, für den Fluss selbst aber keine erhöhte Hochwassergefährdung besteht. Im Umkehrschluss kann – maßgeblich auf Grund der schlechten Vorhersagbarkeit kleinräumiger Starkregen – die Hochwassergefährdung nur regional und ohne Angabe eines konkreten Ortes oder eines konkreten Eintrittszeitpunktes abgeleitet werden.

Ergänzend zur Frühwarnkarte sollten in jedem Fall die Wetterwarnungen des DWD sowie Lage, Zugrichtung und Größenordnung der aktuellen Niederschlagsgebiete (siehe Wetterradar) beachtet werden, da die im Frühwarnsystem verwendeten Niederschlagsvorhersagen naturgemäß Fehler beinhalten können. Die aktuelle Wetterentwicklung kann sich im Einzelfall (vor allem bei örtlich begrenzten Starkregen) mehr oder weniger stark von der Vorhersage unterscheiden.

Im Übrigen informieren natürlich wie gehabt pegelbezogene Hochwassermeldungen und -vorhersagen des Landeshochwasserzentrums (www.hochwasserzentrum.sachsen.de) über die aktuelle und prognostizierte Hochwassergefährdung an den größeren Gewässern Sachsens.

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Zwei neue Ombrometer (Online-Niederschlagsschreiber) im Landesmessnetz Sachsen verfügbar

Ab sofort gibt es im Landesmessnetz Sachsen, betrieben durch die Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL), zwei neue Ombrometer: Hirschfeld bei Kirchberg sowie Hartmannsdorf bei Chemnitz.

Damit wurde das Niederschlagsmessnetz weiter verdichtet, was unter anderem der Hochwasservorhersage für Sachsen zugutekommen wird. Denn auch in Zeiten von Radar sind Bodenbeobachtungen des Niederschlages unerlässlich, nicht zuletzt für die Aneichung von Radarmessungen.

Auf den Seiten des Landeshochwasserzentrums Sachsen können aktuelle Messwerte in einstündiger Auflösung eingehen sowie zurückliegende Messwerte kostenlos heruntergeladen werden.