Ziemlich nass war’s in Sachsen in den vergangenen 30 Tagen

Wie für ganz Deutschland gilt auch für Sachsen, dass die vergangenen 30 Tage seit Fronleichnam (26.05.2016) ziemlich nass waren. Allerdings gilt diese Aussage nicht flächig, sondern vor allem lokal (in Folge konvektiver Starkregen).

Anhand der SPI-30-d-Werte wird das gut sichtbar:

Standardisierter Niederschlagsindex (SPI) bezogen auf einmonatige gleitende Niederschlagssummen im Zeitraum 26.05. bis 24.06. der Referenzperiode 1981 bis 2010

Standardisierter Niederschlagsindex (SPI) bezogen auf einmonatige gleitende Niederschlagssummen im Zeitraum 26.05. bis 24.06. der Referenzperiode 1981 bis 2010.

Dabei bedeuten die weißen Punkte, dass es ungefähr soviel geregnet hat, wie in Mittel im Zeitraum 26.05. bis 24.06., bezogen auf alle Jahre der Referenzperiode von 1981 bis 2010. Die dunkelblauen Punkte (“extrem feucht”) bedeuten hingegen eine Regenmenge in besagtem Zeitraum, die im statistischen Sinne nur mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 2 % oder weniger zu erwarten ist (siehe Seite 2 des Dokuments)!

Gut sichtbar wird das z.B. für die Station Tannenberg im Erzgebirge (aktueller SPI für Zeitraum 26.05 bis 24.06.2016 beträgt rund 2,2):

Kumulative Verteilung der 30-d-Niederschläge an der Station Tannenberg für den Zeitraum 26.05. bis 24.06. der Jahre 1981 bis 2010 (x) im Vergleich zu 2016 (*).

Kumulative Verteilung der 30-d-Niederschläge an der Station Tannenberg für den Zeitraum 26.05. bis 24.06. der Jahre 1981 bis 2010 (x) im Vergleich zu 2016 (*).

Update: hier noch, wie das Ganze per 24.06.2016 ausschaut:

SPI-1m_26.06.2016

Standardisierter Niederschlagsindex (SPI) bezogen auf einmonatige gleitende Niederschlagssummen im Zeitraum 28.05. bis 26.06. der Referenzperiode 1981 bis 2010.

Dauerregen unkritisch für Sachsen

Zumindest für Sachsen waren die ergiebigen Regenfälle am gestrigen Tag mit Blick auf die Hochwassergefährdung völlig unkritisch; die 24-h-Niederschlagshöhen knackten nur lokal die 30-mm-Schwelle (siehe Abb.) und die vergleichsweise trockenen Böden konnten die mit recht moderater Intensitität aufgetretenen Dargebote gut gebrauchen. Schlussendlich gab es zwar eine deutliche Erhöhung der Wasserführung, allerdings ohne, dass Meldestufen erreicht worden sind.
Die lokalen, konvektiven Ereignisse der vergangenen Wochen führten zu keinem signifikanten Anstieg des Basisabflusses in den Fließgewässern. Das ist nach den Niederschlägen der vergangenen Tage anders; auch das Grundwasser dürfte profitieren.

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24-h-Niederschläge, 17.06.2016, 17:00 MESZ. Quelle: LHWZ.

Update 2 zu den erwarteten Niederschlägen

Aus der Kurzfrist-Synoptik des DWD von heute, 16.06.2016:

Die Entwicklung wird von den Modellen mittlerweile sehr ähnlich gesehen, vor allem auch was die Zugbahn des Tiefs angeht. Unterschiede sind nach wie vor bei den Regenfällen und Gewittern zu erkennen, allerdings scheint eine gewisse Abmilderung erkennbar (Regenmengen), die sich auch in der Probabilsitik widerspiegelt. Schwierig dabei auch die Frage, ob man im Warnmanagement mit Stark- oder Dauerregenwarnungen operiert.

Wird also schon ordentlich regnen, wobei die ganz große Wäsche hoffentlich ausbleibt… Aber wie oben zu lesen; die Modelle sind sich noch uneins:

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WZ-WRF 10 km; Quelle: Wetterzentrale.

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GFS; Quelle: Wetterzentrale.

Naja, schauen wir mal…

Update: Vb-artige Entwicklung?

Zitate Syoptik DWD Kurzfrist von heute, 15.06.2016 bzgl. der Entwicklung am kommenden Freitag:

Problematisch sind nach wie vor die Vorhersagen bzgl. des auf Vb-ähnlicher Zugbahn vom östlichen Alpenrand nordostwärts ziehenden Tiefs. Die Ergebnisse einiger Modelle sind gegenüber weiter zurückliegenden Läufen nicht wiederzuerkennen. So ist bei COSMO-EU dieses Tief nahezu komplett verschwunden. ICON zeigt einen um 10, später um etwa 5 hPa höheren Kerndruck und lässt dieses Tief zudem um ca. 200 km weiter östlich nach Nordosten ziehen.

Mit anderen Worten ausgedrückt – die Verlagerung des Tiefs und dessen Intensität sind noch sehr unsicher, was in den entsprechenden Bulletins auch zum Ausdruck gebracht werden sollte. Keinesfalls sollte dieses Tief bereits abgeschrieben werden; hier sind mit den folgenden Modellläufen sowohl zur einen als auch zur anderen Seite hin noch Überraschungen möglich.

Vb-artige Entwicklung möglich!

Zitat Synoptik Mittelfrist des DWD vom 14.06.2016:

Am Mittwoch sind in großen Teilen des Landes – vor allem in der Mitte und im Norden – Gewitter oder teils gewittriger Starkregen mit Regenmengen über 20 l/qm in kurzer Zeit wahrscheinlich. Lokal sind Unwetter durch Starkregen von mehr als 25 l/qm in einer bzw. 35 l/qm in sechs Stunden möglich, vor allem im Nordosten. Am Donnerstag sind im Norden und Westen sowie in Teilen der Mitte Gewitter und Schauer mit Starkregen, kleinkörnigem Hagel und Sturmböen möglich, Unwetter jedoch eher unwahrscheinlich. Auch im Süden sind einzelne, teils kräftige Gewitter möglich. Darüber hinaus ist in den Alpen Föhnsturm mit schweren Sturmböen wahrscheinlich. Im Laufe des Nachmittags und Abend kommt von der Schweiz her teil gewittriger Starkregen wahrscheinlich auf, der in der Nacht zum Freitag nordostwärts ausgreift. Dabei besteht die Gefahr unwetterartiger Regenmengen von 35 bis 60 mm innerhalb weniger Stunden, zum Teil auch noch mehr (extremes Unwetter). Am Freitag gibt es von Süden auf die Mitte und den Osten und nachfolgend im Osten weiter nordwärts ausgreifend länger andauernden und ergiebigen Regen, dabei sind bis etwa 100 l/qm innerhalb von 24 Stunden möglich, in Staulagen durchaus auch mehr (extremes Unwetter). Im Süden und Osten gibt es außerdem Sturmböen, im Bergland und an der Ostsee sind später schwere Sturmböen möglich. In den anderen Gebieten gibt es wiederholt Schauer und kurze Gewitter, dabei besteht die Gefahr von Starkregen. Am Samstag fällt im Nordosten anfangs länger andauernder Regen, teils auch noch unwetterartig. Dabei sind vor allem an der Ostsee auch noch Sturmböen möglich. Ansonsten gibt es verbreitet Schauer und Gewitter, vor allem im Süden und Südosten ist teils Starkregen um 20 l/qm innerhalb weniger als einer Stunde und um 30 l/qm innerhalb von 6 Stunden möglich. Nach Nordwesten hin nur vereinzelt Starkregen möglich. Am Sonntag im Süden gibt es weiterhin Schauer und Gewitter, teils ist Starkregen möglich. Sonst erfolgt wahrscheinlich eine Wetterberuhigung. Am Montag fällt im Osten erneut nordwärts ausgreifend teils gewittriger Starkregen, dabei sind erneut 30 bis 60 l/qm Niederschlag innerhalb von 6 Stunden möglich, was unwetterartige Mengen bedeutet.

Also sollte Vorsicht geboten sein und die weitere Entwicklung unbedingt im Auge behalten werden! Zumal momentan alle wichtigen Vorhersagemodelle die Entwicklung ähnlich abbilden!

Sächsische Zeitung sehnt sich das nächste Hochwasser herbei

Die Sächsische Zeitung titelt heute (09.06.2016) “…bald (…) Hochwasser: Die Großenhainer Feuerwehr ist jetzt besser gegen Hochwasser gerüstet – wohl rechtzeitig, wie Wetterexperten befürchten.”

Der Artikel bezieht sich auf ein Video-Post des Meteorologen Kai Zorn für wetter.com vom 05.06.2016 (also vier Tage älter, als der SZ-Artikel) und greift die dort geäußerte Prognose auf, dass “zur Monatsmitte (…) ein großes Hochwasser” möglich scheint. Das Video schließt u.a. mit der sinngemäßen Bemerkung “Ich will dieses Hochwasser auf keinen Fall herbeireden, sondern nur sensibilisieren, dass da was im Busch ist…”

Nun, genauso, wie sich das Wetter stetig ändert, so müssen sich auch Vorhersage-Ergebnisse mit jeder neuen Vorhersage ändern (denn sie sind nicht zuletzt auf die Konditionierung durch die Beobachtungen angewiesen). Weiterhin gilt, je kürzer der Vorhersagezeitraum, desto besser/verlässlicher die Vorhersage.

Bezogen auf den Video-Post von Herrn Zorn sprechen wir ja von einer mittelfristigen Vorhersage mit einer Vorhersageweite von immerhin ~10 Tagen. Klar, es gab einige Signale für große Regenmengen zur Monatsmitte in einigen Modellen/Modellläufen (beispielsweise in dem im Video angesprochenen amerikanischen GFS-Modell), aber Wettervorhersagen (insbesondere bezogen auf den Niederschlag) sind vor allem eines: MIT UNSICHERHEITEN BEHAFTET. Das liegt in der Natur der Sache, ist nicht schlimm, ist aber wichtig zu wissen, um nicht in der ersten Juni-Woche für die Monatsmitte den Weltuntergang auszurufen!

Abschließend bemerkt die SZ: “Auch Experten des Deutschen Wetterdienstes sehen in der derzeitigen Großwetterlage Parallelen zu den Wetterlagen, die zu den Jahrhunderthochwassern 2002 und 2013 geführt haben.” Möglicherweise bezieht man sich dabei auf diesen Artikel in der LVZ (vom 01.06.2015), in der ein DWD-Meteorologe zu Wort kommt?

Richtig ist, dass am 01.06.2016 sehr wohl die durchaus stark hochwasserträchtige Großwetterlage “Tief Mitteleuropa” vorherrschte (wie übrigens auch beim Hochwasser 2002 und 2013). Deren Potential für Ungemach mit den teilweise lokal extremen Niederschlägen konnten wir in den letzten ~2 Wochen in Deutschland beobachten.

Momentan befinden wir uns in einer recht schnöden westlichen Strömung (WZ oder SWZ), die für wechselhaftes Wetter sorgt; auch hier sind demnächst größere Regenmengen möglich, die allerdings nicht das Zeug haben, zu einem überregionalen Großereignis zu führen. Die synoptische Mittelfrist-Übersicht des DWDs sagt dazu am heutigen 09.06.2016:

Schauerartiger Regen, Schauer oder Gewitter sind bei dieser Wetterlage zu erwarten. Dabei besteht lokal durchaus das Potenzial für Starkregen, das Unwetterpotenzial diesbezüglich ist aber im Vergleich zu zuletzt bei deutlich moderateren CAPE-Werten und schnellerer Dynamik in der Höhe deutlich verringert.

Noch mal ganz deutlich: Derzeit und auch voraussichtlich zur Monatsmitte besteht für Sachsen keine überregionale Hochwassergefahr. Also erstmal – einer alten Automechanikerweisheit folgend – weiterfahren und beobachten…

PS: Ich fand den SZ-Artikel trotzdem lehrreich; Pumpen, die ganze Handtücher durchschaffen?! Ziemlich cool…